Ich steh mal wieder grade mitten zwischen Klausuren. Und trinke dabei Unmengen von Kaffee. Natürlich hat man als Student eine Nespressomaschine. Aber Kleingeld für Kapseln hat man eigentlich nur in Lern-Nachtschichten, wenn der Drang nach Koffein am größten ist.
Eigentlich kann ein wenig Kaffeepulver, umhüllt von ein bisschen Aluminium, ja nicht die Welt kosten. Eigentlich. Wenn da nicht dieser Name wäre, der auf jeder Kapsel aufgedruckt ist: Nespresso. Nespresso ist Kult. Nespresso ist Macht. Aber nicht mächtig genug. Denn mit dem Fall des Kapselmonopols steigen immer mehr Alternativhersteller in den Kapsel-Markt ein und versuchen die horrenden Preise (35 Euro pro Pfund Kaffee) und komplizierten Vertriebswege des Originalherstellers (nur online oder bei einer handvoll Nespresso-Boutiquen) einzuberzen. Mit Erfolg.
Auch die Discounterkette Lidl setzt nach einigen Startschwierigkeiten zum Jahresbeginn jetzt mit einer Neuauflage der Bellarom-Kapseln zum Faustschlag an. Produziert werden die gefacelifteten Discounterkapseln vom niederländischen Hersteller Euro-Caps. Ausgerechnet ich durfte die neuen Bellarom-Kapseln exklusiv für euch testen :)
Auch die Discounterkette Lidl setzt nach einigen Startschwierigkeiten zum Jahresbeginn jetzt mit einer Neuauflage der Bellarom-Kapseln zum Faustschlag an. Produziert werden die gefacelifteten Discounterkapseln vom niederländischen Hersteller Euro-Caps. Ausgerechnet ich durfte die neuen Bellarom-Kapseln exklusiv für euch testen :)

Zukünftig wird es statt der damals erhältlichen Sorten "Forte" und "Classico" nun drei Sorten geben: "Espresso Ristretto", "Espresso Classico" und "Azzuro Lungo". Jede Packung enthält 10 Kapseln und wird zu 1,99€ in den 3300 Filialen deutschlandweit, wie auch online zu haben sein. Mit knapp 20 Cent pro Kapsel unterbieten sie die original Nespresso-Kapseln im Preis um die Hälfte und liegen im gesamten Klonkapselvergleich auf Platz eins. Doch wie kompatibel sind die neuen Kapseln denn nun wirklich?
Autopsie und Kompabilität
Da ich mich damals noch mit genügend Vorgängerkapseln eingedeckt habe, starte ich den Selbstversuch.
Im Vergleich zu den alten Kapseln schneiden die neuen überraschend gut ab: Die Verpackung ist etwas bulliger, das Design chicer geworden. Das bisschen Exklusivität bei Discounterkapseln nehm ich doch gerne in Kauf. Jede Kapsel ist neuerdings einzeln verpackt, das Aroma also bis zum Brühvorgang geschützt. Was wie Punktabzug in der Ökobilanz klingt, entpuppt sich aber als durchdacht: Wie gehabt bestehen die Kapseln aus einem Kunststoff-Körper mit Aluminiumfolien-Deckel. Dadurch sind sie dem Original aus Aluminium aufgrund energieschonender Herstellung und unkomplizierterem Recycling überlegen. Die Kaffeemenge bleibt bei unveränderten 5,2g gemahlenem Arabica.

Auf den ersten Blick sehen die neuen Kapseln den Vorgänger-modellen verblüffend ähnlich. Doch der Schein trügt: Die größte und vermutlich kompabilitäts-entscheidenste Veränderung besteht in der Umgestaltung des Kapselkopfs. Statt der ursprünglich aufgewölbten Kunststoffnase, die von der Nespresso-Maschine nur mit großem Kraftaufwand durchstoßen werden konnte und das Durchrutschen in den runden Kapselkäfig verhinderte, wurde die jetzige Kapselnase abgeflacht und mit einem perforierten Doppelring versehen. In der Praxis erhöht das die vielfach beklagte Kompabilität beachtlich: Während die alten Kapseln mit ihrer aufgewölbten Kapselnase beim Einlegen auf den runden Kapselkäfig verharren, fallen die neuen schmaleren Kapseln jetzt erstaunlich gut direkt in den Kapselkäfig. Wo die Kapseln der ersten Generation verquetschen, presst der Hebelmechanismus die neuen Kapseln jetzt passgenau in den Käfig; und das aufgrund der Perforation ohne großen Kraftaufwand. Bei den alten Kapseln muss hingegen noch kräftig gedrückt werden, bis die drei Dornen der Maschine die Plastiknase durchstechen. 
Meine Delonghi Lattissima plus durchsticht die innere Ringperforation; der zusätzliche äußere Ring ermöglicht bestmögliche Kompabilität für eine Vielzahl weiterer Geräte.Bei sagittalem Kapselschnitt entdeckt man im Inneren vier kleine Verstrebungen im Kopfteil, sowie weitere stabilitätsfördernde Ringgitter im Fußteil.
Der Brühvorgang selbst ist unauffällig; es tröpfelt weder bei den alten, noch bei den neuen, allerdings scheint mir die Crema bei den neuen Kapseln intensiver. Ich hatte bei keinen alten und neuen Kapseln den Eindruck, dass sich die Maschine quält.
Während die alten Kapseln beim Öffnen des Hebels jedoch in der Maschine verkanten, landen die neuen, gestutzten Kapseln direkt im Auffangbehälter. Keine der zwanzig getesteten neuen Kapseln war nach dem Brühvorgang eingedrückt, die Aluminiumfolie gleichmäßig durchstochen. Volle Punktzahl für Kompabilität und Passform.
Designtechnisch erinnern die neuen Kapseln stark an Nespresso's Grands Crus. Statt Aluminium wird edel getrimmtes Kunststoff verwendet, das jeder Kapsel aber mindestens genauso viel Persönlichkeit verleiht wie die von Nespresso selbst. Ähnlich wie beim Original wird die geschmackliche Intensität auch farblich akzentuiert: schwarze Kapseln für den starken Ristretto, goldene Kapseln für den weniger kräftigen Classico. Der Lungo stand mir nicht im Test zur Verfügung. Im direkten Vergleich mit den Vorgängerkapseln schneidet die Kunstoffhülle nun wertiger ab. Der Ristretto ist im Vergleich zum Classico wesentlich dunkler und stärkerer im Geschmack. Einen leicht bitteren Eindruck, wie man ihn bei den Vorgängerkapseln und vielen Klonkapseln anderer Hersteller noch zu spüren vermochte, sucht man bei den neuen drei Lidl-Sorten vergebens. Im Gegenteil: Beide Espressi sind aromatisiert, weder wässrig und mit einer zufriedenstellender Crema. Je nach Präferenz bietet der Ristretto den intensiveren, der Classico den dezent-fruchtigen Charakter. Mein persönlicher Favorit ist der Bellarom Espresso Classico, der in Form eines Cappuccions oder Latte Macchiatos leicht, als purer Wachwerd-Espresso aber nicht zu kräftig ist.

Fazit
Ohne Frage, Lidl hat seine Hausaufgaben gemacht. Die neuen Kapseln der Marke Bellarom sind jetzt ohne Einschränkung kompatibel mit dem Nespresso-System; Daumen hoch auch für Geschmack, Preis-Leistung und Verfügbarkeit. Wer eine günstige Alternative sucht,
die auch noch schmeckt, ist mit den neuen Lidl-Kapseln bestens bedient; wer allerdings auf Produktvielfalt setzt, wird enttäuscht. Aber Mithalten mit den original Nespressokapseln können sie allemal.
Im Test dabei
-DeLonghi EN 520.W Nespresso Lattissima+
-Lidl Bellarom Espressokapseln alte Version [Anfang 2013] (Forte, Classico)
-Lidl Bellarom EspressoKapseln neue Version [Ende 2013] (Ristretto, Classico)
© 2013



Hallo eyoc,
AntwortenLöschenich arbeite für den Online Shop www.gourmesso.de, der alternative Espresso Kapseln für Nespresso Maschinen verkauft.
Wir würden Ihnen gern unsere Kaffeekapseln zum Testen zukommen lassen.
Falls dies für Sie von Interesse ist, würde ich Sie bitte mich zu kontaktieren.
Beste Grüße
Beatrice Gleibs
(beatrice.gleibs@gourmesso.de)
Ich habe die neuen Lidl-Kapseln an meiner DeLonghi Nespressomaschine probiert und bin nicht begeistert. Der Hebel der Maschine lässt sich nur sehr schwer zudrücken und macht ein hässliches Klacken, kein Vergleich mit den Originalkapseln, bei denen der Hebel butterweich zugeht. Auch der Geschmack lässt sehr zu wünschen übrig. Ich werde die restlichen Kapseln wegwerfen, weil ich mir nicht meine Maschine kaputtmachen lasse. Ausserdem ist das Leben zu kurz, um schlechten Kaffee zu trinken.
AntwortenLöschenHallo, ich habe die neuen Lidl-Kapseln auch ausprobiert. Was die Kompatibilität mit meiner Citiz angeht, habe ich die gleichen guten Erfahrungen wie eyoc gemacht. Man braucht zwar etwas mehr Kraft beim Schließen der Klappe als bei den Original-Kapseln, aber das hält sich in Grenzen. Das geht bei anderen Nachbauten, z.B. von caffe.com, deutlich schwerer! Zum Geschmack: 1. Espresso pur: Mit dem Geschmack bin ich nicht ganz glücklich. Ich bevorzuge ich bei den Originalen "Roma", somit ist mir persönlich der Lidl Ristretto etwas zu kräftig und der Lidl Classico zu mild. 2. Latte macchiato & Co.: Hier bevorzuge ich bei den Originalen "Ristretto", und den Lidl Ristretto finde ich hierfür vollkommen in Ordnung. Aber Geschmack ist ja bekanntlich subjektiv. Da ich das Glück habe, dass meine Frau 300 m von der Nespresso-Boutique entfernt arbeitet und ich daher sozusagen an der Quelle sitze, werde ich zukünftig meine "Roma" (für Espresso pur) weiterhin von Nespresso verwenden, aber für Latte macchiato und Co. auf Lidl Ristretto umsteigen.
AntwortenLöschenGruss,
Markus